Eine Kooperation von Aktionsradius Wien mit Filmarchiv Austria.
Vielleicht entsteht in diesem Augarten-Sommer so etwas wie ein Musikantenkochbüchlein. Dazu muss man eigentlich nur die Rezepte jener Musikerinnen und Musiker sammeln, die an acht Samstagen, vom 4. Juli bis 22. August, zum nicht nur musikalischen Querbraten einladen. So mannigfaltig die Rezepturen sein werden, die im Publikum zur Verteilung gelangen, so vielfältig ist die Musik, die von der kleinen Filmarchiv-Bühne aus den nächtlichen "Lichtspielen" vorangeht, zum Otium der BesucherInnen des Slow-Food-Filmfestivals bzw. des Filmarchiv-Gastgartens. Otium? Das lateinische Wort für Muße. Die damals höher bewertet wurde als ihr bitteres Gegenteil, die Arbeit. Das verrät die Negation des Worts otium. Denn wenn otium = die Muße das ursprüngliche Wort war, hatte es Vorrang vor der Nicht-Muße, dem neg-otium. Negotium bedeutet Bankgeschäft und Handel, Geschäft und Sache, otium freie Zeit, literarische, geistige Tätigkeit und die Beschaulichkeit. Das Christentum und später - noch entschlossener - der Kapitalismus drehten die Verhältnisse um, schad drum, und vor allem der Bereich des Essens ist aus dem otium ins negotium gerutscht, verdichtet in den lärmenden Fastfood-Filialen. Nur noch das Kafka-Lesen, das Liebe-Machen, das Karten-Spielen, das Schwammerl-Suchen und das Musik-Genießen sind die Oasen der Langsamkeit, und von ihnen aus wird sich die Revolte gegen die Beschleunigung entfalten - oder der Zeitraffer eignet sich die letzten Widerstandsnester der avancierten Unbeweglichkeit an.
Die querbratenden Musikerinnen & Musiker:

Die Mondscheinbrüder (Samstag, 4. Juli)
Robert Reinagl und Walter Czipke – Schmelz statt Schmalz im Wienerlied!
Den Titel eines Duetts von Johann Sioly haben sich der Schauspieler Robert
Reinagl und der Sänger Walter Czipke, der ersteren zudem auf
seiner original Wiener Knöpferlharmonika vortrefflich begleitet,
für ihre Wienerliedabende als Duo verpasst. Richtige
Wienerlieder-Sänger leben erst dann auf, wenn er scheint –
der Mond nämlich.

sterzinger experience (Samstag, 11. Juli)
Stefan Sterzinger & Mika Maerz – War Falco eine Reblaus?
Am Tatort Wienerlied: der Sänger und Akkordeonist Stefan Sterzinger
mit Mika Maerz (percussion). War Falco eine Reblaus? Sind vor der
himmlischen Domina alle Töne gleich? Wird es einen Dritten Mann
geben oder ist Gott doch eine Frau? Die Antworten finden Sie zwischen
den Tönen. Trallalla!

Alp Bora Trio (Samstag, 18. Juli)
Orient meets Okzident
Im europäischen Istanbul geboren, im anatolischen Ankara und im
orientalischen Bagdad aufgewachsen, fand Musiker Alp Bora 1998 seine
wahre Heimat in Wien. Warum Wien? „Weil du nirgendwo sonst in
Europa Orient und Okzident in so kultivierter Dichte finden und
genießen kannst wie hier“, meint
er. Eher „orientalisch“ (Vorsicht! Klischeefalle!) ist
sein Managementstil: „Das Trio wird schon voll werden“,
schmunzelt er.

Walther Soyka & Ernst Molden (Samstag 25. Juli)
Gemeinsam entstauben sie das Wienerlied!
„Der Soyka, der malt mit seiner Knöpferlharmonika nicht
flächendeckend alles zu. Der zeichnet.“ Sagt der Molden.
„Der Molden, der macht die besten Texte im Dialektbereich.“
Sagt der Soyka. Wem solches zu harmonisch klingt, versteht nicht,
dass beide unabhängig genug sind, um Spannung zu produzieren,
wenn sie in evidenter Zweisamkeit mehr auratisch als oral
kommunizieren, jedenfalls in Augenhöhe.

Jelena Popran & Rina Kaçinari (Samstag, 1. August)
Die postjugoslawische Fusion
Die serbische Bratschistin Jelena Popran aus Zrenjanin (Vojvodina) und
die albanische Cellistin Rina Kaçinari aus Prishtina teilen
neben ihrer postjugoslawischen Herkunft und der Ausbildung in Klassik
auch ihr Interesse an allen Grenzregionen der jeweiligen Genres.
Durch eigenwilligen Gebrauch von Stimme und acht Saiten verschmelzen
sie Barockmusik, Brecht-Songs, schottische Galgenlieder, slawischen
Pop, Punk, Cabaret, Schlager und serbischen, ungarischen, albanischen
und bulgarischen Folk zu einem dynamischen Konzept.

Moša Šišic & Freunde (Samstag, 8. August)
Ein Stammbaum voller Teufelsgeiger
Moša Šišic stammt aus einer jugoslawischen
Roma-Musikerfamilie, die seit Generationen Virtuosen hervorbrachte,
und lernte das Geigenspiel ab seinem 6. Lebensjahr. Wenn er mit
seiner Band – quasi seiner erweiterten Familie –
auftritt, macht er als „Gipsy Express“ eine Tour durch
Balkanien. Heute sind sie nicht allesamt dabei – sie kämen
kaum zum Musizieren, wenn jeder über sein Lieblingsgericht
plaudert.

Die Strottern (Samstag, 15. August)
Klemens Lendl und David Müller – sie schmuggeln die Liebe ins Wienerlied!
Die Strottern – Klemens Lendl und David Müller – mischen
das Wienerlied auf. Neben einem reichen Repertoire an ausgesuchten
Klassikern sind sie mit ihren eigenen Liedern und mit Vertonungen der
Texte des Wiener Poeten Peter Ahorner vor allem im Wien von heute
verankert – und bringen Liebeslieder in dieses Genre! Der Name
“Die Strottern” leitet sich von dem Altwiener Ausdruck
“Strotter” her, der für “Gauner,
Landstreicher, Strauchdieb, Gelegenheitserwerb Suchende” steht.
Im Wiener Mundartwörterbuch steht auch: “Die nach
Verwertbarem suchen”. Und das machen die Strottern im mehr oder
weniger reichen Wiener Liedschatz. Und wenn sie nichts finden, singen
sie halt ihre eigenen Lieder.

Jokić, Maria und Josef (Samstag, 22. August)
Musik aus Blut und Honig
Ljubinka Jokić, eine mit allen Wassern gewaschene Sängerin und
Stromgitarristin von Großformat, lief eines Tages der jungen
Ausnahmesängerin und Multiinstrumentalistin Jessica Maria Slavik
über den Weg, die bei Mankers Alma-Stück den aus namhaften
Bands bekannten Bassisten Roman Josef Britschgi kennen gelernt hatte;
er traf Ljubinka Jokić bei einer Demonstrations-Session gegen
den Abriss von denkmalgeschützten Barockgebäuden am
Augartenspitz. Seither geschah vieles ... und gemeinsam wurde eine
neue musikalische Marinade abgeschmeckt – gewürzt mit
wechselnden Gästen, Blut und Honig.
Programmänderungen vorbehalten!
Garten des FILMARCHIV AUSTRIA
1020 Wien, Obere Augartenstraße 1e (Augartenspitz / Ecke Castellezgasse)
Eintritt: Musikspenden!
www.filmarchiv.at
Veranstaltungsort:
KINO WIE NOCH NIEGarten des FILMARCHIV AUSTRIA
1020 Wien, Obere Augartenstraße 1e (Augartenspitz / Ecke Castellezgasse)
Beginn:
jeweils 19.00 UhrEintritt: Musikspenden!
Weitere Infos:
www.aktionsradius.atwww.filmarchiv.at